Timo Klöppel

Ein Zimmer mit Aussicht aufs Oderbruch

MOZ, Inga Dreyer, 01.07.2015

Altwustrow (MOZ) Wo andere Menschen einen Schuppen haben, steht bei Udo und Marianne Schagen in Altwustrow ein ein weißes Teehaus mit einem schwarzen Stern auf der Spitze. Der Berliner Künstler Timo Klöppel verwirklicht sich damit Stück für Stück den Traum von einem Haus.

TK_teehaus    Der Traum vom Eigenheim: Nein, der Berliner Künstler Timo Klöppel wohnt nicht in dem Teehäuschen, das er in Altwustrow gebaut hat. Aber er würde gerne mal eine längere Zeit dort verbringen, um die Veränderung der Landschaft zu beobachten.Foto: Andreas Kar© Andreas Karpe Gora

Es ist überschaubar, das Eigenheim von Timo Klöppel: ein achteckiger Raum mit Glasfenstern, die fast bis zum Boden reichen und eine einzelne kleine Lampe, die in der Mitte baumelt. Dieses Haus bietet keinen Rückzugsraum. Alles, was innen passiert, sieht man von außen. Umgekehrt lässt sich alles beobachten, was draußen vor sich geht.

Viel ist das nicht. Gras bewegt sich im Wind, Wolken ziehen über den strahlend blauen Himmel. Vor den Fenstern des Häuschens breitet sich wie auf einem Gemälde die typische Landschaft des Oderbruchs aus.

Am liebsten würde der Künstler ein ganzes Jahr an diesem Ort verbringen. „Um die Natur zu beobachten, wie sie sich entwickelt.“ Das klingt nach einer fixen Idee, doch vielleicht ist es das gar nicht. Auch in seinem Atelier hat sich Timo Klöppel schon mal eingeschlossen – es aber nur zwei Wochen ausgehalten. Da gab es auch keine Fenster, erzählt er und lacht. Es geht ihm darum, zur Ruhe zu kommen und Muße zu finden. „Ich neige manchmal zur Hyperaktivität“, erzählt der 33-Jährige Bildhauer, der an der Universität der Künste in Berlin studiert hat. Bevor er sein Domizil im Garten der Familie Schagen in Altwustrow bezieht, wird wohl erst einmal eine Kamera die Aufgabe wahrnehmen, den Lauf der Jahreszeiten einzufangen.

Das Teehaus ist ein Langzeitprojekt, begonnen vor zwei Jahren. Eigentlich war es woanders geplant, erzählt Timo Klöppel. Dann aber fragte er die Schagens, die sich sehr gefreut hätten. Die Verbindung kommt über den Sohn der Familie zustande, mit dem Peter Klöppel schon in die Schule ging. Der Sohn ist Tischler und hat Timo Klöppel auch beim Bau des Häuschens geholfen. Zu den „Offenen Gärten“ im Oderbruch waren auf dem Hof der Schagens auch Skulpturen des Künstlers zu sehen.

Es sei nicht leicht, Orte zu finden, an denen man Kunst machen kann, erzählt Klöppel. „Wo geht das – in einem Schwimmbad? Auf dem Mond? In der Natur?“ Oder eben auf einem Hof in Altwustrow, an der Stelle, wo der Garten ins Feld mündet. Es sei immer sein Traum gewesen, ein Haus zu bauen, erzählt der Berliner, der mit dem Gedanken spielt, in Ostbrandenburg sesshaft zu werden. „Ich habe mich wahnsinnig in das Oderbruch verliebt.“

Das Projekt in Altwustrow nennt er Tee- und Traumhaus. Die Idee mit dem Tee ist ernst gemeint. Einige Pflanzen wachsen rundherum. Irgendwann wird man sie aus dem Fenster heraus pflücken können. Auch eine Möglichkeit zum Teekochen soll es geben.

Stück für Stück baut Timo Klöppel weiter. Denn das Haus ist noch nicht fertig. Kürzlich erst ist der Holzboden hineingekommen. Außerdem hat er die Idee, die Spitze des Daches, an der ein Stern in den Himmel ragt, noch ein ganzes Stück weiter nach oben zu ziehen. Auf diese Weise soll es an den Kirchturm der schneeweißen Bauernbarockkirche Altwustrow erinnern. Die Analogie zur Kirche will der Künstler noch weiter treiben. Wenn das Teehaus den Turm symbolisiert, würde das Kirchenschiff in Richtung des Hofs der Familie Schagen verlaufen. Als Mittelgang soll ein Weg durch das wilde Grün angelegt werden.

Räume und ihre Verbindung zum menschlichen Innenleben beschäftigen den Künstler auch in anderen Werken. Am 11. Juli wird eine Ausstellung von ihm in Berlin-Kreuzberg eröffnet.

Nachtmeerfahrten, Ausstellung von Timo Klöppel / Eröffnung am 11. Juli um 18 uhr im Kwadrat, Manteuffelstraße 92, Berlin-Kreuzberg