Timo Klöppel

Aus Müll mach Kunst
Projektausstellung „Made in Wedding“ im Tageszentrum Wiesenstraße 30

 

„Made in Wedding“ – da denkt man an Mode, einen Club oder ein Szene-Label aus dem Off-Bezirk der deutschen Hauptstadt. Jedenfalls nicht an Müll. Aber genau der versteckt sich hinter diesem Namen …

Das Tageszentrum Wiesenstraße 30 öffnete am Dienstag, 8. November seine Türen und präsentierte neugierigen Besuchern eine Vernissage. Von 14 bis 16 Uhr konnte man auf drei Räume verteilt sehen, wie viel Müll sich am Pankeufer ansammelt und was man mit diesem Müll alles so machen kann.

Kaum eingetreten sticht das Kunstwerk des Aktivisten Timo Klöppel ins Auge. Klöppel ist im Kiez kein Unbekannter. Als Absolvent der Universität der Künste war er an zahlreichen Kunstprojekten und Ausstellungen beteiligt – zuletzt an der Kunstausstellung „Phantome“ in den Uferhallen. Die Form seines aktuellen Kunstwerkes erinnert an eine orientalische Kuppel aus 1001 Nacht und ist mindestens genauso bunt. Das namenlose Werk ist aus Polyester-Gießharz und wurde in mühseliger Arbeit in drei Monaten fertiggestellt. Zahlreiche helfende Hände unterstützten den Künstler dabei.

Darunter sind die beiden Leiter des Tageszentrums, die Sozialarbeiter Dirk Granzow und Katrin Schäfer. Beide sind seit 20 Jahren beim Tageszentrum Wiese aktiv und sagen zusammen mit ihren Klienten und freiwilligen Helfern dem Müll an der Panke den Kampf an. Zwei mal pro Woche (jeweils Dienstag und Freitag ab 13.30 Uhr) ziehen sie mit ihren Klienten los, bewaffnet mit zwei Mülleimern und Griffhaken und beseitigen den Müll zwischen Wiesen- und Pankstraße an der Walter-Nicklitz Promenade.

Dabei findet man allerhand. Von großen Sofas und Stühlen bis hin zu Milchtüten, Flaschen und kleinen funkelnden Süßigkeitsverpackungen ist fast alles vertreten. Letzteres hat Timo Klöppel bei seinem Werk vor allem verwendet. Ausgewählte bunte Verpackungen zerschnitt der Künstler zu kleinen zackigen Schnipseln, die er dann in die Form füllte. Das Ganze war alles andere als ein „Short Cut“ – es dauerte mehr als zwölf Stunden. Insgesamt fraß das Kunstwerk mehr als drei volle Müllsäcke, die Mitarbeiter und Klienten des Zentrums aufsammelten. Doch bevor das wertvolle Material dem Künstler übergeben wurde, musste es in der Dusche gesäubert werden. Das Ganze tritt dem Betrachter nun eng gepresst als orientalische Figur entgegen. Auf der Spitze ist ein zerbrochener Porzellanvogel angebracht, der als „Wetterhahn“ dem Kunstwerk die Krone aufsetzt.

Im Nebenraum der Installation informiert eine Diashow die Besucher über den Projektalltag im Tageszentrum und die Entstehung des Kunstwerkes. Die Wände schmückt eine dokumentarische Fotoreihe. Die musikalische Ausgestaltung der Vernissage übernahm der Klient Peter Michaeles mit sanften Gitarrenklängen einer Liveperformance.

Bei einer gemütlichen Runde Kaffee und Kuchen führten die Mitarbeiter des Zentrums und der Künstler die Fotostrecke in der Cafeteria vor. Sie zeigt auch Fotos vom Projekt „We Care T(w)o“. Dabei legten die Gastgeber unter anderem auch drei Beete entlang der Walter-Nicklitz-Promenade an, die sie seit zwei Jahren immer wieder neu bepflanzen und pflegen. Im Anschluss finden dann meist die Müllsammelaktionen statt.

Das Projekt wird vom Quartiersmanagement Pankstraße gefördert und in Kooperation mit dem Grünflächenamt ausgeführt. Beide unterstützen das Tageszentrum mit den notwendigen finanziellen Mitteln, Werkzeugen und Pflanzen und leisten somit einen wesentlichen Beitrag zur Verschönerung des QM-Gebiets.

Ziel der Aktionen ist es, so viele Menschen wie möglich für saubere Straßen zu gewinnen und zur Teilnahme an den Sammelaktionen zu bewegen. Auch wenn es laut Katrin Schäfer sehr schwierig ist, ältere Nachbarn für die Projekte zu gewinnen, da diese oft sehr misstrauisch sind. Glücklicherweise gibt es viele engagierte junge Leute und Studenten, die sich für das Projekt einsetzen und auch lange Strecken nicht scheuen, um mitzumachen.

Wer jetzt selber dabei sein möchte, kann sich am Ende des Monats an Plakaten entlang der Wiesenstraße oder auf der Website des Tageszentrums über die nächsten Termine informieren. Eine Voranmeldung ist nicht nötig.