Timo Klöppel

ICH DARF NICHT
KUNSTHAUS 19/21

Pressemitteilung: Flurin Bisig

„Man umss immer eine Träumerei von einem Anderswo offen lassen“
G. Bachelard Poetik des Raumes

Wo immer wir hinkommen, sind wir bedingt duch die Umgebung. Der Raum, der mir zur Verfügung gestellt wurde, hat bestimmte Masse, einen seitlich mittigen Eingang, an beiden Längsseiten Fenster, eine Lichtschiene und drei Neonröhren, Fussleisten, eine Doppeltür zum Nachbaratelier, Heizkörper und eine Überwachungskamera. Über drei Monate hinweg habe ich in diesem Raum gearbeitet. Diese Bedingungen bilden den äusseren Rahmen und sind Teil der Grundlage für meine Arbeit -ich darf nicht- im Kunsthaus 19/21 im gedachten Atelier 5.
Daraus entstanden ist ein Raum im Raum, der im ersten Moment den Zugang verhindert und den schnellen Zugangverlänger. Links rum kommt der Eingang, rechts rum die Doku der drei Monate, die Bilder aus der Überwachungskamera.

Der mit Silberfolie ausgekleidete Raum kann als Schutzraum, auch vor der Kamera (Überwachung) angesehen werden. Eine Art dunkler Freiraum der geschaffen wurde, als Schutz vor der Kamera, als Schutz vor Sichtbarkeit. Die Atmosphäre ist die eines Rückzugsortes. Doch wie ja die Überwachungskamera selbst aus, Sicherheit installiert wurde, zum Schutz und in der Situation des Arbeitenden/Beobachteten zur Belästigung bis hin zur Bedrohung werden kan, ist auch dieser nur bedingt ein Schutz- und Freiraum, und kann auch ins Bedrohliche kippen.

Der Raum kann auch als Bild, als Malerei im Raum angesehen werden. Im Vergleich zu den gängingen Malereien wächst einem aber dieses Bild buchstäblich über den Kopf. Man kann nur bedingt Distanz davon nehmen, niemals hat man das GANZE BILD im Auge: was man betrachtet sind Ausschnitte. Man setzt das ganze Bild im Kopf zusammen.

Die spärlichen Lichtquellen im Innenraum kommen von zwei Türmen: wie der Raum auch als Malerei gesehen werden kann, bewegen sich diese beiden `Wächter´ ebenfalls auf der Schwelle zwischen Skulptur, Lampe und schlichtem Modell, das verschiedene Raummasse in ein Verhältnis setzt. Genau diese Logik nimmt auch der Fernsehr und der Boden auf, der mit weissem Zeichenpapier ausgelegt ist. Die Besucher selbst hinterlassen die Spuren im Raum, sie zeichnen sich in die Arbeit ein. Es geht im ganzen um diese undefinerte (undefinierbare?) Schwelle zwischen den Gattungen der Kunst, zwischen Architektur, Malerei, Skulptur und Modell- und schliesslich um die Schwelle zwischen Künstlichem und Realem, zwischen Inszeniertem und Zufälligem. Zwischen Absicht und Folge.
Sind wir frei?