Timo Klöppel

NIE LÖST SICH ETWAS LEBEN VOM LEBEN UND STEHT ALLEINE DA
20.APRIL–4.MAI.2013 PROJEKTRAUM ENBLANCO

Pressemitteilung: Jana Papenbroock

 

Timo Klöppels Arbeiten sind Verwirrspiele im Raum, Erprobung von Perspektiven, Untersuchungen zum Kräftewechsel zwischen Innerlichkeit und Äusserlichkeit. Klöppel schafft Räume, die sowohl stoffliche als auch geistige Entwürfe sind, um ihre Rückwirkung auf den eigenen Seelenraum zu erkunden. Er steht in einem ständigen Kommunikationsverhältnis zu seinem Material, befragt es, untersucht seine Beschaffenheit, nimmt es auseinander und baut es wieder zusammen. Bei Klöppel hat Material einen Quasi-Subjektstatus. Es ist ihm ein Gegenüber, dem zugehört werden kann und muss.

Seine Installationen reflektieren die Formensprache von konzeptuellen Strömungen der 1960er und 70er Jahre sowie das Erbe von Primitivismus und Kosmologie. Seine Räume und Skulpturen sind physische und metaphysische Labyrinthe, Eindrücke für ein kontemplatives Raumempfinden abseits vorformulierter Narrativität.

Für den Projektraum Enblanco hat Klöppel ein Weltenmodell gebaut: Eine aufgespaltene Kugel, deren zwei Hälften an einander gegenüberliegenden Wänden angebracht sind, steht sich mit ihren Aussenseiten gegenüber. Nie löst sich etwas Leben vom Leben und steht alleine da, ist der Titel der Arbeit, die ein wenig an Goethes Kein Wesen kann zu nichts zerfallen erinnern. Trennung findet nicht auf physischer Ebene statt, sondern auf konzeptueller. Sie ist selbst Hypothese, eine fixe Gedankenfigur, die die Bewegtheit der Realität nicht zu repräsentieren vermag.
Ist das Material der Kugel nun mehr oder weniger getrennt, wenn sich anstelle der Innenseiten die Aussenseiten gegenüberstehen? Was hält sie im Innersten zusammen, ihre Gestalt oder die Anziehungskraft?

Timo Klöppel arbeitet an einem energetischen Realitätsstatus des Räumlichen. Paradoxerweise geht es ihm als Bildhauer nicht um das Körperliche, sondern um die Flüchtigkeit des wechselnden Kräftegleichgewichts zwischen den Formen und Farben. Er konstruiert sinnlich wahrnehmbare Situationen, die den  Betrachter sensibilisieren und zur Partizipation animieren. Klöppel versteht seine Arbeiten als Gesprächsangebote und die Rückmeldungen auf sie sind ihm grundlegende Bestandteile jedes Werks, durch die sich dessen Bedeutung immer wieder ändert.