Timo Klöppel

DURCH DAS BERÜHREN ZERFÄLLT ES
26.APRIL–31.juni.2014 KWADRAT

Pressemitteilung: Jana Papenbroock

Zu sprechen, etwas sagen zu wollen, einen Satz zum Beispiel, ist eine Übertragung des Ich auf die Welt.

Es mag widersprüchlich scheinen, aber ein Satz, das Sprechen, ist eine einsame Erfahrung. Bestenfalls ist es das Erlebnis eines Wiederhalls der Innerlichkeit, also einer Ausweitung der Innerlichkeit, die immer auch eine Besetzung ist. Ein Satz besetzt. Besetzt ein leeres Haus, das es zu Leben erwacht. Oder ein Leben, das es zu ordnen versucht, schlimmstenfalls auslöscht.

An einer Wand steht ein Satz. Jedes Wort, jedes Zeichen ist ein Grabstein, ein Testament.

Die Zeichen bestehen aus Auslöschungen. Sie markieren das Verschwinden eines Lebens und bestehen aus Scherben, die Bilder sind. Amorphe Bilder auf alten Fotografien, die willkürliche Umgebungen zeigen, die vom Bedeutenden losgelöst wurden, das nur seine Spur hinterlassen hat.

Ein Bild ist ein Schöpfungsakt, etwas bewegtes, unabgeschlossenes, vollständig erst durch die Gegenwart eines Anderen, der sich ihm zuwendet. Ein Bild ist der Versuch, mit dem Abwesenden zu sprechen. Es ist eine suchende Geste nach der Welt. Nach der äußeren Erfahrung. Nach der Versenkung des Ich in die Welt.

Wer spricht, will den Tod, die Erfahrung des Aussen, vergessen.

Wer schöpft, will sich der unveräusserlichen Schönheit erinnern, will lebendig sein.

Der Satz an der Wand, der Zeichen der Endlichkeit ist, ist auch eine Trennung. Jedes Schreiben ist Trennung vom Ich, das als ein Anderes weiterlebt.

Die Zeichen selbst, die zerbrochen sind, zerbrochene, glänzende Scherben, die den Schein brechen, fliehen hinaus, versenken sich, spiegeln das Licht durch ihre materielle Armut hindurch und strahlen, wodurch sie ihre Einsamkeit, ihren Tod und ihr Gefängnis überwinden.